Handeln bei Auffälligkeiten

Sie haben Veränderungen an einem/r Ihrer MitarbeiterInnen wahrgenommen?

Signale weisen darauf hin, dass die Arbeitsleistung dieser Person in letzter Zeit abgenommen hat und Veränderungen in ihren Wesenszügen erkennbar sind?

Nach folgenden Schritten (STEPS) sollten Sie nun vorgehen:

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openSignale und Fehlverhalten
Dokumentieren Sie Signale und Wahrnehmungen

Frühes Wahrnehmen ist der erste Schritt zum richtigen Handeln!

1. Beobachten Sie das Verhalten der auffälligen Person und die Veränderungen ihres Verhaltens auf folgenden Ebenen:

  • Arbeitsverhalten
  • Sozialverhalten
  • Äußeres Erscheinungsbild
  • Konsumverhalten

Notieren Sie Ihre Beobachtungen auf dem Beobachtungsbogen.

2. Beobachten Sie diese Person über einen längeren Zeitpunkt, um ausreichend Signale und Fakten zu dokumentieren.

3. Diese Sammlung von Fakten bietet die Grundlage für ein erstes Gespräch.

 

Informationen und Downloads:

Beobachtungsbogen
Liste der möglichen Auffälligkeiten (praevention.at)
Liste von Substanzen und deren Auswirkungen am Arbeitsplatz
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openBetriebsvereinbarung / Interventionsleitfaden
Gibt es in Ihrem Unternehmen einen Handlungsleitfaden bei Substanzauffälligkeiten?

1. Informieren Sie sich, ob es in Ihrem Unternehmen eine Betriebsvereinbarung zur betrieblichen Suchtprävention gibt

Betriebsvereinbarungen / Dienstvereinbarungen sind interne „Betriebsordnungen“, die Verhaltensvorschriften zum Umgang mit Substanzen (wie Alkohol, Medikamente und illegale Substanzen) im Betrieb regeln. Sie können auch Regelungen zum Rauch- und Alkoholverbot beinhalten.

Ziele der Betriebsvereinbarung zur betrieblichen Suchtprävention:

  • Erhöhung der Arbeitssicherheit
  • Erhaltung der Gesundheit der Beschäftigten
  • Frühzeitige Thematisierung des Suchtmittelmissbrauchs
  • Bereitstellung von Hilfsangeboten für gefährdete und suchtkranke MitarbeiterInnen (z.B. für Alkohol-, Drogen-, Spiel-, Arbeits- und Nikotinsucht oder Essstörungen)

2. Nützen Sie diese Regelung als Unterstützung

Betriebsvereinbarungen beinhalten oft Interventionsleitfäden (Stufenpläne). Sie geben eine Struktur vor, wie Interventionen auszusehen haben und Gespräche mit auffälligen MitarbeiterInnen zu führen sind.
Geführt werden Stufenplangespräche von den direkten Vorgesetzten mit Personalverantwortung.

3. Gibt es in Ihrem Unternehmen keine Betriebsvereinbarung bzw. Handlungsleitfaden, bietet unterstehende Grafik eine erste Orientierungshilfe.
Falls Sie ein für Ihr Unternehmen  maßgeschneidertes Vorgehen entwickeln wollen, nehmen Sie mit dem Institut Suchtprävention Kontakt auf.  www.praevention.at

Layout 1

Informationen und Downloads:

Implementierung von Betriebsvereinbarungen im Unternehmen (praevention.at)
Betriebsvereinbarung (WKO)
Betriebsvereinbarung (Arbeitsinspektion)
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openAustausch mit KollegInnen und internen Ansprechpersonen
Tauschen Sie sich gegebenfalls mit KollegInnen aus und sprechen Sie über Ihre Beobachtungen

1. Überprüfen Sie Ihre Wahrnehmungen indem Sie sich mit vertrauten Person im Betrieb (Kollege oder Kollegin) oder anderen Führungskräften austauschen.
Gehen Sie vertraulich mit persönlichen Daten um.

2. Nutzen Sie firmeninterne AnsprechpartnerInnen (Arbeitsmedizin, Arbeitspsychologie, Betriebsrat) um Ihre Wahrnehmungen zu besprechen und nächste Schritte zu planen.

3. Holen Sie sich bei Unsicherheiten fachliche Unterstützung von (Sucht-)Beratungsstellen:
Diese bieten auch kostenlose und unverbindliche Beratung für Führungskräfte, KollegInnen und Angehörige.

 

Ziele von Reflexion und Austausch:

  • bewusst zwischen Beobachtungen und Interpretationen zu unterscheiden
  • vorschnelle Diagnosen und Etikettierungen zu verhindern
  • eigene Grenzen und Möglichkeiten zu erkennen und sich nicht zu überfordern
  • die nächsten Schritte zielgerichtet anzugehen und nicht überstürzt
  • neue Sichtweisen wahrzunehmen

 

Informationen und Beratung:

Beratungsangebot der AUVA
Beratungsangebot des Institut Suchtprävention
Beratungsstellen in Oberösterreich (nach Bezirken)
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openDas Gespräch suchen
Führen Sie möglichst frühzeitig ein Gespräch mit der betroffenen Person

Folgende Gesprächsformen haben sich als hilfreich erwiesen:

1. Fürsorgegespräch
Dieses führt man, wenn der/die MitarbeiterIn sich verändert, belastet wirkt, sich zurückzieht, die Leistung davon jedoch noch nicht betroffen ist. Die dahinterliegenden Ursachen können vielfältig sein: psychische Krisen, familäre Probleme, gesundheitliche Beschwerden…
Es werden wahrgenommene Veränderungen und die Sorge darüber angesprochen und Unterstützung seitens der Führungskraft angeboten.
Ziel ist es, der betroffenen Person zu signalisieren, dass Veränderungen im Verhalten wahrgenommen werden und dass Unterstützung durch den Arbeitgeber zur Verfügung steht, wenn dies gewünscht ist.
Das Fürsorgegespräch ist vertraulich und hat keinen disziplinären, sondern einen unterstützenden Charakter.

Wenn sich die Situation nicht verändert, auch noch die Verschlechterung des Arbeits-und Leistungsverhaltens dazukommt und die dahinterliegenden Ursachen noch unklar sind, sollte ein Klärungsgespräch geführt werden.

 

2. Klärungsgespräch
Dieses führt man, wenn eine wiederholte Vernachlässigung dienstlicher Pflichten vorliegt, die Ursache jedoch unklar ist oder nicht sicher in Zusammenhang mit Substanzkonsum oder substanzungebundenen Süchten (Glücksspiel, Kaufsucht, Esstörungen,…) gebracht werden kann.
Dieses Gespräch hat zum Ziel, eine konkrete Rückmeldung zu den Auffälligkeiten zu geben (Zeit, Ort, Vorfall). Es werden Vereinbarungen getroffen, wie das künftige Verhalten auszusehen hat und gleichzeitig Unterstützung seitens des Vorgesetzten angeboten.
Ein Rückmeldegespräch in 6-8 Wochen wird vereinbart, um sich über die weitere Entwicklung des Verhaltens auszutauschen.
Eine Gesprächsnotiz wird angefertigt, die dem/der MitarbeiterIn ausgehändigt wird. Das Klärungsgespräch ist nicht Teil des Stufenplans.
Stellt sich im Laufe des Fürsorge- oder Klärungsgesprächs heraus, dass Substanzkonsum bzw. suchtbedingtes Verhalten die Ursache für die Pflichtverletzung ist, sollten Stufenplangespräche in Kraft treten, die mit jeder Stufe verbindlicher und öffentlicher werden.

 

3. Stufenplangespräche
Stufenplangespräche thematisieren Verletzungen arbeitsvertraglicher oder dienstvertraglicher Pflichten in Verbindung mit Substanzkonsum oder suchtbedingtem Verhalten. Eine Kombination aus Hilfsangebot, konkreten Vereinbarungen und arbeitsrechtlicher Sanktion soll zur Veränderung des Verhaltens bzw. zur Aufnahme einer Beratung/Behandlung führen.

 

Layout 1.

 

Tipps zur Gesprächsführung finden Sie unter Gespräche mit auffälligen MitarbeiterInnen
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Informationen und Downloads:

Fürsorgegespräch
Klärungsgespräch
Gesprächsstruktur mit Beispielen
Gespräche mit auffälligen MitarbeiterInnen (praevention.at)
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openUnterstützung von Außerhalb
Holen Sie sich frühzeitig Unterstützung von externen Beratungsstellen

Zur Nachbereitung eines schwierigen Gesprächs ist der Austausch mit innerbetrieblichen Ansprechpersonen bzw. das Coaching durch professionelle Suchtpräventions- oder Suchtberatungsstellen äußerst hilfreich.

Wenn Sie unsicher sind, wie Sie weiter vorgehen sollen, haben Sie keine Scheu, sich Unterstützung zu holen.

 

Beratungsangebote:

Beratungsstellen in Oberösterreich (nach Bezirken)
Alkoholberatungsstellen (nach Bundesländern)