Hat mein Mitarbeiter ein Glücksspiel-Problem?

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Glücksspielsucht bleibt üblicherweise lange unbemerkt. Und auch innerbetrieblich fallen betroffene Mitarbeiter/innen lange nicht auf. Jedoch können Konflikte mit Kollegen um ausgeliehenes Geld, Unkonzentriertheit, Gereiztheit und zunehmender Leistungsverlust erste Anzeichen für ein problematisches Glücksspiel- oder Wettverhalten sein.

 

Der Glücksspielmarkt in Österreich befindet sich im Aufwind: 1.675 Millionen Euro gaben die Österreicher laut BRANCHENRADAR.com im Jahr 2017 für Glücksspiele oder Sportwetten aus. Der Bereich Online-Glücksspiel wuchs im Vergleich zum Jahr 2016 um satte 11,4 % bzw. 29 Millionen Euro.

 

Wenn man der Studie „Glücksspiel und Spielerschutz in Österreich“ glauben darf, dann stammt ein Großteil dieser Umsätze von Spielsüchtigen. Die Probleme, die sich im Zusammenhang mit einer Glücksspielabhängigkeit ergeben, sind zum Teil groß:

  • Verschuldung
  • Konflikte in der Partnerschaft
  • sinkende Leistung am Arbeitsplatz bis zum Verlust der Arbeit
  • teils kriminelle Geldbeschaffung (Betrug, Veruntreuung, Unterschlagung, Diebstahl)

Vor allem das Spiel an Glücksspielautomaten aber auch Sportwetten bergen ein nicht zu unterschätzendes Suchtrisiko. Sportwetten und die zunehmende Verfügbarkeit von Spiel- und Wettangeboten auf mobilen Endgeräten (Smartphones, Tablets, …) sprechen eine meist junge, männliche Zielgruppe an, da sie immer und zu jeder Tageszeit verfügbar sind.

 

Nicht jedes Glücksspielverhalten ist problematisch: wer ab und zu, evtl. mit Freunden, geringe Beträge setzt und hauptsächlich ein bisschen Entspannung und Nervenkitzel sucht, braucht sich wohl keine Sorgen zu machen.

Steigen aber die Einsätze und geht es immer mehr darum, Verluste wieder zurückgewinnen zu müssen, etwa durch systematische Spielstrategien, dann ist Vorsicht geboten. Je mehr das Glücksspiel zum Lebensinhalt wird, umso mehr rücken Familie, Arbeit und Hobbies in den Hintergrund. Das Spielverhalten wird zunehmend irrationaler und riskanter, Unruhe, Reizbarkeit nehmen zu während der Kontrollverlust über das Spielen immer mehr abnimmt.

 

Im Betrieb sind die Anzeichen für problematisches Glücksspielverhalten anfangs meist eher unspezifisch: Gereiztheit und Stress, unzureichende Arbeitsleistung können vielfältige Ursachen haben. Wenn aber ein Mitarbeiter von verschiedenen Kollegen größere Geldbeträge ausleiht, dann sollte man auf jeden Fall sensibel auf Glücksspielprobleme zu sein. Ebenso, wenn z. B. Lehrlinge Geldprobleme haben und gleichzeitig über ihre Kompetenz bei Sportwetten oder Pokerrunden im Internet berichten.

 

Ein Beratungsgespräch kann Klarheit über die eigene Situation schaffen. Ob totale Spielabstinenz oder reduziertes Spielen: Am Ende geht es immer darum, wieder Kontrolle über das eigene Spielverhalten zu gewinnen.

 

Beratung bei Spielsucht:

Ambulanz für Spielsucht

Kepler Universitätsklinikum Neuromed Campus

Wagner-Jauregg-Weg 15, 4020 Linz

Tel.: 05 768087 – 39571

e-mail: spielsucht.wj@gespag.at

www.promenteooe.at/spielsucht

 

Spielsuchtberatung der Schuldnerhilfe OÖ

Stockhofstraße 9, 4020 Linz

Tel.: 0732/77 77 34

email:   linz@schuldner-hilfe.at

www.schuldner-hilfe.at

 

Quellen:

Branchenradar.com (2018): Glücksspiel & Sportwetten in Österreich 2018, https://www.branchenradar.com/Artikel.aspx?id=50 (Zugriff: 09.05.2018)

 

Kalke, J.; Buth, S.; Rosenkranz, M.; Schütze, C.; Oechsler, H.; Verthein, U. (2011): Glücksspiel und Spielerschutz in Österreich. Empirische Erkenntnisse zum Spielverhalten der Bevölkerung und zur Prävention der Glücksspielsucht. Lambertus-Verlag, Freiburg im Breisgau

 

Kalke, J.; Wurst, F.M. (2015): Glücksspielverhalten und Glücksspielprobleme in Österreich. Ergebnisse der Repräsentativerhebung 2015. http://www.isd-hamburg.de/dl/Repraesentativbefragung_2015_Bericht_final.pdf (Zugriff: 09.05.2018)

 

Grafik: Institut Suchtprävention Linz