Aspekte schulischer Suchtprävention

Die Schule ist ein geeigneter und wichtiger Ort, um Prävention zu leisten. Neben der Vermittlung kognitiver Inhalte ist die Schule ein sozialer Lebensraum, der die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes und Jugendlichen beeinflusst. Gleichzeitig soll auch versucht werden, durch gezielte Maßnahmen das Auftreten von problematischem Verhalten weniger wahrscheinlich zu machen oder zu verhindern.

Im Sinne der schulischen Suchtprävention, und im Speziellen dem Umgang mit Auffälligkeiten , sind 3 Bereiche wesentlich:

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Vorbeugende Maßnahmen und Ansätze schulischer Suchtprävention

Hinter jeder Sucht steckt ein Zusammenspiel mehrerer suchtbegünstigender Faktoren, die zur Entstehung einer Abhängigkeit führen können. Die Ursachen sind immer komplex, verschiedene Einflüsse und Faktoren spielen zusammen und Suchtentwicklung ist als dynamischer Prozess zu sehen.
Einflussfaktoren lassen sich unter den drei Überbegriffen Person-Umwelt-Substanz zusammenfassen und stehen nicht in einem direkten Ursachen-Wirkungs-Zusammenhang, sondern in einer ständigen Wechselbeziehung.

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Die Ursachen für Sucht dürfen nicht nur bei den Suchtmitteln selbst gesucht werden. Hinter einem schädlichen Konsum oder einem exzessiv ausgeführten Verhalten stecken meist sehr komplexe Hintergründe, die auf der Personen-, Umwelt- und Substanz-/Verhaltensebene zu finden sind.
Sind die Einflussfaktoren in den einzelnen Bereichen unzureichend oder in negativer Ausprägung vorhanden, spricht man von Risikofaktoren für eine Suchtentwicklung, bei positiver Ausprägung von Schutzfaktoren gegen eine Suchtentwicklung.
Ziel suchtpräventiven Handelns ist die Minimierung dieser Risikofaktoren bzw. die Förderung und Stärkung der Schutzfaktoren.

Als Pädagogin/Pädagoge leisten Sie einen wesentlichen Beitrag zur frühzeitigen Förderung von Lebenskompetenzen.
Aber auch die Vermittlung von Information, die Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsumverhalten, die Reflexion schädlicher Handlungsweisen und das Übernehmen von altersentsprechender Verantwortung tragen dazu bei, einer möglichen späteren Suchtentwicklung vorzubeugen.

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Schutzfaktoren auf der Personenebene:

Das Erlernen von sozialen und persönlichen Fähigkeiten,
wie die Entwicklung von konstruktiven Strategien in der Bewältigung von Anforderungen
und der Aufbau eines stabilen, positiven Selbstwertgefühls sind wichtige protektive Faktoren, die vor der Entwicklung suchtartiger Verhaltensweisen schützen können.

Wesentliche Lebenskompetenzen (WHO):

  • Selbstwahrnehmung und Einfühlungsvermögen
  • Kommunikation und Selbstbehauptung
  • Umgang mit Stress und negativen Emotionen
  • Problemlösen, kreatives und kritisches Denken
  • Information zu Substanzen und Verhaltenssüchte

Das können Sie tun:

  • Aufgabenstellungen wählen, die den Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen angemessen sind, d.h. sie weder über- noch unterfordern, um ihnen positive Erfahrungen ihrer Selbstwirksamkeit zu vermitteln.
  • Kindern und Jugendlichen Gelegenheit zur Selbstwahrnehmung geben, um sich ihres Körpers und ihrer Gefühle bewusst zu werden.
  • Regelmäßiges konstruktives Feedback geben, um die Entwicklung eines Selbstkonzepts zu fördern.
  • Selbstreflexionen anregen, die frühere Erfolge und vorhandene Fähigkeiten bewusst machen, um die Selbstwirksamkeitserwartung zu fördern.
  • Handlungs- und erlebnisorientierte Methoden einsetzen, da man Selbstwahrnehmung nicht durch Instruktion erwerben kann, sondern selbst erfahren muss.

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Schutzfaktoren auf der Ebene Substanz / Verhalten:

Förderung des adäquaten Umgangs mit berauschenden Mitteln und Verhaltensweisen:

  • Vorbildverhalten der PädagogInnen
  • Einhaltung und Umsetzung von schulinternen und gesetzlichen Regelungen (Schulordnung, JSG, SMG)
  • Förderung gesunder Alternativen
  • Reflexion eigener Konsumerfahrungen
  • Sachliche Informationen über psychoaktive Substanzen und deren Gefährdungspotential
  • Information über Beratungs- und Hilfsangebote

Das können Sie tun:

  • Klare Regeln zum Substanzkonsum auf dem Schulareal (für SchülerInnen, Lehrpersonen und nichtpädagogisches Personal).
  • Förderung gesunder Alternativen zum Substanzkonsum (z.B. Förderung eines gesunden Lebensstils, aktive Pausengestaltung).
  • Förderung von Mitbestimmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten aller am Schulalltag beteiligter Personen
    (z.B. Gestaltung der Hausordnung auf Grundlage der Schulordnung durch die Gremien der Schulpartnerschaft).
  • Unterstützungsangebote für gefährdete SchülerInnen bei Schulproblemen, bei psychosozialen Problemlagen u. a.
  • Kooperationsstrategien im psychosozialen Bereich: schulinternes Krisenmanagement entwickeln und ausbauen, Vernetzung, Zusammenarbeit mit SchulärztInnen, SchulpsychologInnen, SchulsozialarbeiterInnen und externen ExpertInnen.
  • Veranstaltungen, Vorträge und Workshops von Beratungsstellen.
  • Intensivierung der Elternarbeit.

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Schutzfaktoren auf der Umweltebene:

Präventionsmaßnahmen können ihre Wirkung nur in einem gesundheitsförderlichen Gesamtkontext entfalten. Im Idealfall haben suchtpräventive Aktivitäten nicht nur die Erweiterung individueller Kompetenzen (Lebenskompetenzen) zum Ziel, sondern versuchen, auf gesundheitsrelevante Rahmenbedingungen einzuwirken.

Förderung der Lebensqualität in Klasse und Schule:

  • Positives Schul- und Klassenklima
  • Gute Arbeits- und Lernbedingungen
  • Adäquates Lerntempo und Leistungsniveau
  • Partizipationsmöglichkeiten von SchülerInnen und LehrerInnen

Das können Sie tun:

  • Gestaltung der Schule als Lebens- und Erlebnisraum durch gemeinsame Aktionen, Projekte, Feste.
  • Ansprechende Gestaltung von Klassen und Schulräumen (Blumen, Bilder, Licht, …).
  • Schaffung von Möglichkeiten für Konfliktbewältigungen (z.B. Mediation, Beratungs- und StützlehrerInnen)
  • Gestaltung von jugendgerechten Räumen und Angeboten, Schaffung von Rückzugsmöglichkeiten, Nischen (z.B. auch für LehrerInnen) und Kommunikationsräumen.

 

Vertiefende Informationen und Downloads:

Ansatzpunkte schulischer Suchtprävention (praevention.at)
Suchtprävention in der Schule (Unterrichtsmanual)
Bildungsangebote für Lehrkräfte (praevention.at)
Unfallprävention in der Schule (AUVA)
openFrüherkennen
Mögliche Signale erkennen

Früherkennung meint das frühzeitige Wahrnehmen von Belastungsfaktoren und Anzeichen, die bei SchülerInnen zu  Risikoentwicklungen, gesundheitlichen Problemen oder Problemverhalten (z.B.: schädigender Suchtmittelkonsum, Gewalt/Delinquenz, psychische Störungen) führen.

Insbesondere Bezugspersonen aus dem persönlichen oder schulischen Umfeld können Anzeichen frühzeitig wahrnehmen und erforderliche Massnahmen zur Unterstützung veranlassen.

Im Schulbereich besteht ein Hauptziel der Früherkennung darin, Lehrpersonen hinsichtlich Früherkennungsmerkmale zu sensibilisieren und ihnen für die weitere Intervention die nötige Handlungssicherheit zu vermitteln. Früherkennung setzt bei ersten wahrnehmbaren Auffälligkeiten im schulischen Leistungs- oder Sozialverhalten an.

Zentrale Aspekte:

  • Schaffung von Strukturen und Vereinbarungen, die frühzeitiges Erkennen und weiteres Intervenieren gewährleisten
  • Schulung, Unterstützung und Begleitung der verantwortlichen Lehrpersonen

In weiterer Folge ist dabei eine Erstellung eines verbindliche Handlungsleitfaden hilfreich.
Wie Sie im Sinne der Früherkennung vorgehen können und worauf Sie achten sollen, finden Sie unter Handeln bei Auffälligkeiten.

 

Informationen und Weiterbildungsangebote zum Thema Frühintervention in der Schule:

Schulinterne LehrerInnenfortbildung "Step by Step"
§13 SMG Psychoaktive Substanzen in der Schule
openFrühintervention und Handeln
Interventionen bei Auffälligkeiten und Beratungsangebote

Aufgabe der Frühintervention ist es, zu einem möglichst frühen Zeitpunkt Maßnahmen für eine Stabilisierung und Verbesserung der (Risiko-)Situation zu treffen.

Der Beitrag von PädagogInnen besteht idealerweise darin, mit dem/der SchülerIn eine konstruktive Beziehung zu pflegen und schrittweise gezielte Interventionen zu setzen. Mittel der Wahl zur Intervention ist das persönliche Gespräch.
Diagnosestellung und Behandlung sind Sache der zuständigen Hilfseinrichtungen. Daher ist das frühzeitige Einbeziehen von Beratungsstellen sinnvoll.

Die Erstellung eines Handlungsleitfadens ist hierbei hilfreich. In diesem ist festgehalten, wie die Schule auffällige SchülerInnen unterstützt und wer welche Verantwortung und Kompetenzen hat. Er schafft Klarheit, wie eine Schule (Schulleitung, Lehrpersonen) in konkreten Anlassfällen vorgeht und welche schulinternen und externen Unterstützungsangebote zugezogen werden.
Im Vordergrund steht die Unterstützung und Begleitung der betroffenen Person.

Einen möglichen Handlungsleitfaden und einzelne Schritte für die Umsetzung finden Sie unter Handeln bei Auffälligkeiten

 

Beratungsangebote und Kontakte:

Coachingangebot des Institut Suchtprävention
Landesschulrat Oberösterreich _ Notrufnummern, Krisenteam
Beratungsstellen in Oberösterreich (nach Bezirk)