Handeln bei akuter Berauschung

Ist aufgrund einer akuten Berauschung durch Substanzkonsum von einer akuten Selbst- oder Fremdgefährdung auszugehen, hat der Dienstgeber dafür zu sorgen, dass die betroffene Person nicht mehr weiterarbeitet, sondern vom Arbeitsplatz verwiesen wird. Dies ist im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz unter § 6 (3) AschG geregelt.



Verweis vom Arbeitsplatz wegen akuter Berauschung
Dr. Peter Scheinecker, Wirtschaftskammer OÖ

 

Nach folgenden Schritten (STEPS) sollten Sie vorgehen:

1
openFehlverhalten und Beeinträchtigung
Stellen Sie Auffälligkeiten und Fehlverhalten fest und ziehen Sie Zeugen bei

1. Äußere Verhaltensauffälligkeiten feststellen und Zeugen beiziehen (wenn vorhanden ein Betriebsratsmitglied, einen Betriebsarzt oder andere unbefangene Führungskräfte oder MitarbeiterInnen).

2. Es ist nicht notwendig zu wissen, um welches Suchtmittel es sich handelt.

  Der Arbeitgeber darf den Arbeitnehmer nicht zu Alkohol- und Drogentests zwingen!

 

3. Dem/der ArbeitnehmerIn kann aber die Möglichkeit eingeräumt werden, auf eigenen Wunsch mittels Tests den gegen ihn geäußerten Verdacht zu entkräften (z. B. die betroffene Person fährt freiwillig in ein Krankenhaus, zu einem niedergelassen Arzt, in ein Labor, um einen Alkohol- und Drogentest zu machen).
Geht die Initiative dafür aber vom Arbeitgeber aus, so hat dieser die Kosten des Testverfahrens zu tragen.

Auch in einem später allenfalls notwendigen Beweisverfahren vor Gericht ist es nicht zwingend notwendig, als Beweis einen Alkohol- bzw. Drogentest vorzuweisen, es genügen auch entsprechend konkrete Wahrnehmungen von Zeugen.

 

Informationen und Downloads:

Alkohol- und Drogentests am Arbeitsplatz (Video)
Rechtliche Informationen - Alkohol- und Drogentests am Arbeitsplatz
2
openDen/die ArbeitnehmerIn nach Hause schicken
Sichern Sie ein sicheres Heimkommen der betroffenen Person

1. Der Arbeitgeber hat für ein sicheres Heimkommen des beeinträchtigten Arbeitnehmers zu sorgen (Fürsorgepflicht).

2. Der ArbeitgeberIn darf betroffenen MitarbeiterInnen untersagen, den eigenen PKW zu starten, sofern dieser auf dem Betriebsgelände abgestellt ist. Eine Abnahme der Autoschlüssel ist angemessen, darf aber nicht erzwungen werden.

3. Als eine mögliche Lösung hat sich das Rufen eines Taxis erwiesen, das die betroffene Person auf eigene Kosten nach Hause bringt.
Möglicherweise ist es sinnvoll, dass das Unternehmen vorerst die Taxirechnung begleicht und nach Prüfung des Sachverhalts die Kosten über die Lohnverrechnung an die betroffene Person weitergibt.

4. Ebenso könnten dafür Angehörige verständigt werden, die den/die MitarbeiterIn abholen.

5. In Fällen, bei denen eine Gesundheitsgefährdung droht (z.B. erhöhte Sturzgefahr bei schwererer Berauschung), ist die Einschaltung der Arbeitsmedizin sinnvoll. Es kann aber auch der ärztliche Notdienst verständigt werden.

6. Bei besonders aggressiven MitarbeiterInnen kann mit der Benachrichtigung der Polizei gedroht werden. Es empfiehlt sich, im Ernstfall diese Drohung zu realisieren.

 

Für den nicht erbrachten Arbeitstag gebührt kein Entgelt, außer es liegt eine unverschuldete krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit (z. B. Suchterkrankung) vor. Auf Verlangen des Arbeitgebers hat der/die ArbeitnehmerIn eine (fach-) ärztliche Bestätigung beizubringen.

 

3
openSchriftliche Dokumentation der Situation
Erstellen Sie ein schriftliche Protokoll

Über den Vorfall wird unter Beiziehen von Zeugen (z. B. Betriebsrat) ein schriftliches Protokoll erstellt.

Inahlte dieses Protokolls:

  • Datum, Uhrzeit
  • Anlass für den Heimtransport (Verdachtsmomente)
  • Regelung des Heimtransports
  • Benachrichtigte Personen
  • Zeugen

Eine Kopie des Protokolls soll an die zuständige Personalabteilung gesandt werden.

 

Informationen und Downloads:

Protokoll nach Heimtransport
4
openVerwarnung und Androhung der Entlassung
Führen Sie ein Gespräch mit dem/der MitarbeiterIn, die eine Verwarnung beinhaltet

Führen Sie ein Gespräch, in dem über den Vorfall und die daraus resultierenden Konsequenzen gesprochen wird.

  • Ein solches Gespräch soll erst am nächsten Tag geführt werden
    (wenn der betroffene Mitarbeiter wieder nüchtern ist).
  • Dem/der ArbeitnehmerIn wird die schriftliche Dokumentation samt Androhung der Entlassung im Wiederholungsfall zugesandt bzw. übergeben.

Hinweis: Die Verwarnung und Abmahnung muss zeitlich im engeren Zusammenhang mit dem Vorfall erfolgen (z. B. am nächsten Arbeitstag).

Besteht in einem Betrieb eine Betriebsvereinbarung mit Stufenplan zur Frühintervention, soll alternativ zur Androhung einer Entlassung ein entsprechendes Stufenplangespräch samt Dokumentation der Vereinbarung geführt werden. Hierbei wird auch auf die möglichen Konsequenzen bei Nichteinhaltung im Rahmen des Stufenplans hingewiesen.

 

5
openBeobachtung und Folgegespräch
Beobachten Sie den/die MitarbeiterIn und führen Sie ein weiteres Gespräch

Mit dem/der betroffenen ArbeitnehmerIn wird ein Beobachtungszeitraum (z.B. 4 – 6 Wochen) und ein Folgegesprächstermin vereinbart.

Im Einzelfall sollte überprüft werden, ob eine Kontaktaufnahme bzw. eine Vermittlung zu einer Beratungseinrichtung angezeigt ist.

 

Beratung:

Beratungsstellen in Oberösterreich (nach Bezirken)